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Main-Echo Aschaffenburg
Dienstag, den 28.11.06

Klassentreffen

Franz Benton im Colos-Saal

Ein Abend Ende November. Auf der Colos-Saal-Bühne steht ein Kandelaber mit brennenden Kerzen, es herrscht eine intime, familiäre Atmosphäre – es muss der mittlerweile zwölfte Franz-Benton-Tag im Roßmarkt-Club sein. Auf seiner Jubiläumstour anlässlich des zwanzigsten Jahres seiner Karriere muss sich der Münchner Sympath sein Publikum nicht mehr Abend für Abend erobern, er braucht nur noch sperrangelweit offen stehende Türen einzurennen.

Man ist sich gar nicht so sicher, ob die Gäste überhaupt noch wegen Franz Bentons Liedern kommen, die sie sowieso in- und auswendig kennen, oder wegen dem, was der grauhaarige Lockenkopf zwischen den Liedern erzählt. Mit von der Partie ist auch dieses Mal wieder Publikumsliebling Kiko Pedrozo aus Paraguay an Harfe und Percussion, mit dem Franz Benton seit 15 Jahren musiziert, und zum zweiten Mal Hans Zeller an Akkordeon und Keyboard.

„Es hat einige Castings gebraucht, bis wir ihn gefunden haben“, berichtet Benton augenzwinkernd. „Er kommt aus dem Allgäu, aus Südbayern also, und deswegen können wir jetzt mit Fug und Recht sagen: Mir san a bayrische Band“, sagt er und spielt auf den gleichnamigen Song der Spider Murphy Gang an.

Der Mann mit den kleinen, schwarzen und immer hellwachen Augen gewinnt durch seine überragende Bühnenpräsenz, seine Ausstrahlung und seinen einnehmenden Charme. Die Kompositionen des Liedermachers im ureigensten Sinne des Wortes sind über jeden Zweifel erhaben.

Benton, in Frack und schwarze Leder-Jeans gekleidet, zieht das Publikum mit seinem sanften, aber kraftvollen Gesang in den Bann. Dazu spielt er sechs- und zwölfsaitige Akustikgitarre. Für die zweite Zugabe „She is Mine“ macht er einen Ausflug ans Keyboard, damit Hans Zeller am Flügelhorn glänzen kann. Dazu erhellend die Funden von Dutzenden Wunderkerzen den Saal.

Unterstützung vom Publikum

Auf die Sangeskünste und die Textsicherheit seines Publikums kann sich Franz Benton hundertprozentig verlassen: Vom Chorus-Gesang bei einem Lied ist er so begeistert, dass er ihn gleich nochmal hören will. „Scheiße is des guat, ja Wahnsinn!“, entfährt es ihm nach der gewünschten Wiederholung. Schade nur, dass er den Programmpunkt „Was Männer unseres Alters bewegt“ weglässt, „denn das hat das letzte Mal einfach zu lange gedauert“, wie er entschuldigend erklärt.

Zwei bis drei Jahre Konzertpause, in denen er viele neue Lieder schreiben und ein Album aufnehmen will, wird Franz Benton einlegen. Eigentlich nehme er die Auszeit ja nur aus Rücksicht auf seine Fangemeinde, erklärt er, denn: „Wir können euch nicht zumuten, dass ihr jedes Jahr zu unseren Konzerten kommen müsst“. Seine Fans spricht er während der Pause und nach dem Konzert beim Signieren von Postern, CDs und DVDs großteils mit Namen an, wie zum Beispiel Renate aus Fulda. Es herrscht eine Atmosphäre wie beim Klassentreffen 25 Jahre nach dem Abitur.

Für viele Fans ist ein Advent ohne Franz Benton-Konzerte undenkbar und es machen schon Ideen die Runde wie etwa Benton-Partys, wo sie bei Kerzenschein, Weihnachtsgebäck und Glühwein die Alben ihres Helden spielen wollen. Doch zunächst einmal werden sich einige von ihnen am 30. Dezember in Garmisch-Partenkirchen wiedersehen, wenn ihr Liebling dort das Abschlusskonzert seiner aktuellen Tournee geben wird.

Michael Noe



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