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Neue Presse Coburg vom 12. Dezember 2006

 Franz Benton feiert Abschied auf Widerruf ( von Sven Reuss )

Coburg – Als Franz Benton am Freitag im „Schwarzen Bären“ in Coburg-Beiersdorf mit Akustikgitarre vor das Publikum trat, um ihm ganz ohne Mikro „Wollt Dir noch sagen“ vorzutragen, da wohnte diesem Moment ein gewisser Zauber inne. Nah, sehr nah war man sich gekommen – nah wie nie zuvor in 15 Jahren gemeinsamer Konzerterfahrung.      

Eine Panne der Technik ließ Benton und seine Begleiter Kiko Pedrozo und Hans Zeller akustisch improvisieren. Vor 350 Leuten tat es Benton mit Bravour – und wurde so auf unerwartete Weise den Erwartungen an seinen Abgang gerecht. Ein großer Abend war es noch einmal – in der von dem Münchener selbst so genannten „Hauptstadt“ seiner Tourneen. Jetzt stehen bis Monatsende noch einige Konzerte aus, und dann lässt der 54-jährige den Bühnenstar in Benton ruhen. Bis 2016 würden die Fans sich gedulden müssen, so scherzt er erst – und fragt aber schon bald rhetorisch, wie es ihm gelingen solle, nächstes Jahr nicht hierher zu kommen, zu „seinen Coburgern“, in den Saal, der in den 20 Jahren seiner Karriere große Erfolge, ja Triumphe hatte erleben dürfen.

Was wohl wirklich gilt, verriet Benton den Fans später unter jeweils vier Augen: Es seien drei Jahre, in denen er kürzer treten wolle. Er wolle unterrichten in dieser Zeit, und zwar in München, Gitarrenspiel und Gesang, „Liedbegleitung ganz ohne Noten“, Anfängern und Fortgeschrittenen. Auch werde er wohl neue Lieder schreiben, für ein neues Album.

Für die Zeit des Wartens auf das Comeback empfiehlt der Mann mit den grau und kürzer gewordenen Locken neben all seinen Alben seine ersten DVD’s, ganz neu und drei an der Zahl.

Erleben können werde man ohne Unterbrechung auch Kiko Pedrozo, den Meister-Harfenisten und Percussionisten aus Paraguay, sowie Hans Zeller, den Mann aus dem Allgäu an Akkordeon, Keyboards und Flügelhorn. Beide Musiker – mit denen Benton schon im vergangenen Jahr  tourte – gehören noch anderen Ensembles an. Pedrozo plant auch als Solist.

Bevor es am Freitag einstweiligen Abschied zu nehmen galt, ließ Benton noch einmal Stationen seines Weges Revue passieren. Mit „Love ist the Ocean“ begann er sein Set; zwei Nummern folgten und erst dann, also ungewohnt spät die Begrüßung. Überhaupt sagte Benton recht wenig an diesem Abend, hielt sich mit Selbstironie und Späßen zulasten Dritter zurück. Nach Konzerten, die einen charmanten und höchst humorvollen Entertainer auch im Übermut erlebt hatten, wirkte der Künstler über professionelle Konzentration hinaus ruhig an diesem Abend, zwar üblich präsent, aber doch ein wenig nachdenklich vielleicht…

Gewohnt ausgewogen hatte Benton sein Repertoire für Coburg arrangiert. Balladen wechselten mit Stücken mittleren Tempos, und bei vom Publikum vielstimmig und textsicher begleiteten Liedern aus persönlicher Erfahrung von Leid wie von Glück stimmte die Dramaturgie des Auftritts. Bentons emotionsvolle Lieder wirken noch lange nach dank ausdrucksstarken Gesangs und eingängiger Rhythmen und Melodien. Rock und Pop und Folk erklingen, multikulturell geprägt von Einflüssen etwa irischer, spanischer und selbst bayerischer Folklore. Einmal mehr erwiesen sich am Freitag auch Kiko Pedrozo und Hans Zeller als wahre Virtuosen an Saiten, Trommeln, Tasten. In der Rückschau werden Erinnerungen auch an Bentons frühere Begleiter Sebastian Fischer und den jetzt für Haindling musizierenden Reinhold Hoffmann wach.

Was auch diesmal nicht fehlte ist so etwas wie ein Ritual: Benton rezitierte „She is mine“, das Publikum stieg ein und sang und sang noch, auch als die Musiker schon die Bühne verlassen hatten. A Capella hielten die Leute im Saal den Ton, und Benton musste sich gesanglich nur wieder hinzu gesellen, nachdem er aus der Kulisse an das Piano zurückgekehrt war. „Ihr seid einmalig“, lies Benton die Coburger wissen – „Danke für 20 Jahre“.

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