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16.10.2006 / Stuttgarter Zeitung

 Mehr Kraft und Bühnenpräsenz als mancher Jungstar (Gabriele Müller)

Franz Benton & Band spielen vor großer Fangemeinde im Leonberger Theater im Spitalhof –Ein Abschied auf Zeit

 Leonberg. Dass es ein Abschied für 16 Jahre sein soll, nimmt man Franz Benton bei seinem Konzert am Samstagabend nicht ab, auch wenn er damit ständig kokettiert. Dazu musiziert er viel zu gut und zu gern, und sein Publikum im ausverkauften Spitalhof ist voll dabei.

 Es sind Songs aus den vergangenen zwei Jahrzehnten seiner Laufbahn, die Franz Benton gemeinsam mit dem Harfenisten Kiko Pedrozo und dem Klavier- und Akkordeonspieler Hansi Zeller über fast drei Stunden vor den Ohren seiner Fans ausbreitet. Kernige Folk-Songs sind dabei, außerdem viele schöne, seelenvolle Balladen, die manchmal melancholisch und immer wieder zärtlich und voller Liebe sind. Überaus wohltuend, weil einem Übermaß an Schwermut und Tiefsinn entgegenwirkend, sind dabei seine trockenen Moderationen zwischendurch, bei denen er die Zuhörer ordentlich auf den Arm nimmt. Und diese wissen offenbar, was von ihnen in einem Benton-Konzert erwartet wird, und frotzeln zurück. So entsteht ein Dialog, dessen unbeschwerte Stimmung den gesamten Abend mühelos trägt.
 
Mit Keyboardklängen und Trockeneisschwaden im blauen Dämmerlicht beginnt das Programm: Nach und nach kommen die Musiker auf die Bühne und formen gemeinsam den ersten Song „Love is the Ocean“, der dem vierten von Bentons zehn Alben den Titel gegeben hat. Die musikalische wie die menschliche Energie des Sängers und Liedermachers ergreift schnell Besitz vom gesamten Saal. Der Mann mit dem graumelierten Lockenschopf verfügt über mehr Bühnenpräsenz und Charisma als viele der Stars, die gerade in den Zwanzigern sind. Den Weg in die Herzen findet er mit dem zweiten Titel, „Your Skin Is My Castle“, in dem er darüber nachsinnt, was er selbst zum Gelingen der Beziehung zu seiner Partnerin beitragen kann. Spätestens beim dritten Lied hat er die Menschen im Spitalhof dann fest im Griff. Die Stimmung stimmt. Zum Roadsong  „Leaving Home“ klatschen alle im Rhythmus mit. Percussion macht Kiko Pedrozo parallel zum Harfenspiel, und gemeinsam mit den Akkordeonklängen von Hansi Zeller bekommen viele Songs auf diese Weise ein ganz eigenes, ansprechendes Gesicht – sogar Beatles-Klassiker wie „Eleanor Rigby“.

Nach Titel Nummer vier klärt Franz Benton „neue Publikümmer,“ wie er sie nennt, endgültig darüber auf, was zum Besuch eines Benton-Konzerts gehört. „Wir gehen natürlich davon aus, dass ihr euch zu Hause vorbereitet“, erklärt er einem Neuling in der ersten Reihe. Und die anderen wissen offenbar Bescheid und singen immer wieder mit. Anfangs nur die Refrains, beim Benton-Klassiker „Carry On“ ist es bereits ein kraftvoller Chorus, und bei der letzten Zugabe „She’s Mine“ erklingt der Song textsicher a capella aus den Zuschauerreihen, auch dann noch, als die drei Musiker bereits die Bühne verlassen haben. Eine bemerkenswerte Leistung: Als Franz Benton wiederkommt und am E-Piano die Begleitung aufnimmt, haben die Leonberger exakt den Ton gehalten.

Seit 20 Jahren macht Franz Benton Musik. Dass er jetzt Pause machen will, stimmt tatsächlich. Aber: Es wird nicht lange werden“, verspricht er seiner Fangemeinde zum Schluss. “Ich komme wieder. Bis bald!“

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