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Nürnberger Nachrichten

Das Leben und die Liebe
Franz Benton präsentiert in Roth musikalische Perlen


ROTH - Manche Sänger sind wie guter Wein, sie werden mit der Reife immer besser. Auch der Barde Franz Benton wirkt heute intensiver und packender als noch vor fünf Jahren.

In der Kulturfabrik stellte Benton zusammen mit Kiko Pedrozo an der Harfe und Hansi Zeller an Keyboard und Akkordeon das neue Album „To the Queen of the Islands“ vor - eine ruhige, melodische Sänger/Songschreiber-Perle, deren Stücke „typisch Benton“ sind. Also kleine Hymnen auf so alltägliche Dinge wie das Leben und die Liebe.

Themen, die freilich nicht neu sind und von Franz Benton auch nicht gegen den Strich gebürstet oder gar neu erfunden werden. Eigenprofil und Wiedererkennungswert hat allerdings mehr denn je, was er daraus macht. Denn so breitbandig und abwechslungsreich sind im Genre des sanften Pop nicht allzu viele Künstler. Bei Franz Benton wird in jeder Note, jedem Arrangement, sein weiter musikalischer Horizont deutlich.

Da kann ein Liebeslied schon einmal als schottischer Jig daher kommen, dem Kiko Pedrozo noch ein paar südamerikanische Harfentupfer auf den Weg gibt, während sich Hansi Zeller als entfesselter „Quetschen“-Virtuose outet. Ein paar tiefe Atemzüge weiter fegen Benton und Co. durch eine ausgelassene Polka mit gigantischem Mitklatsch-Potenzial.

Überhaupt ist dies ein sehr humoriger Abend - wahrscheinlich, weil man unter sich ist, Franz und seine langjährigen Fans. Es darf geblödelt und gekalauert werden, Ruth aus Schwabach wird sogar auf die Bühne gebeten, um mit dem Meister zu singen. So stellt ein Bühnenprofi Nähe her, macht aus einer kleinen Sympathiewelle einen reißenden Tsunami der Begeisterung.

Fast könnte dabei übersehen werden, dass im Ouvre des Franz Benton auch die nachdenklichen, die grüblerischen, die leisen Töne ihren Platz haben. Etwa dann, wenn er davon singt, wie seine inzwischen 20-jährige Tochter die Mutter mit einem lebensbedrohlichen Schlaganfall findet und die Verwirrung und den Schmerz seines Kindes, der irgendwie auch sein eigener ist, in eine Gänsehautballade der nachdrücklichen Art gießt.

In solchen Momenten wirkt Franz Benton so stark, so präsent, dass man sich wieder einmal wundert, warum dieses charismatische „Bühnentier“ nie ein ganz großer Star geworden ist. Vielleicht weil Ecken, Kanten und Charakter für eine Showkarriere eher hinderlich sind. Was irgendwie schon wieder tröstlich ist. Mehr Bentons braucht der Pop!
HANS VON DRAMINSKI

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